WICHTIGE TIPPS FÜR ECOMMERCE UNTERNEHMER BEI LIEFERUNGEN INS AUSLAND

MwSt.-Inklusive

Die Mwst.-Beträge müssen auf der Product-Page überall in der EU “inklusive” ausgewiesen werden.
 Nicht erlaubt: 100 EUR plus 19% MwSt. 
Richtig: 119 EUR (inkl. MwSt.)
 - Das ist im Fernabsatzgesetz der Europäischen Union geregelt.

In jedem Land die richtige MwSt.

In der EU ist in jedem Land die lokale Mehrwertsteuer für den jeweiligen Artikel auszuweisen. Auch das besagt das Fernabsatzgesetz der EU. Wer in Polen einen Schuh auf der Product-Page zeigt, muss ihn mit 23% inklusive ansetzen, in Schweden mit 25% und in Österreich mit 20% usw.

Lieferschwellen beachten

Wenn Sie in ein anderes EU-Land liefern, können Sie zunächst die MwSt.-Sätze ihres Ursprungslandes zu Grunde legen. Überschreiten Sie allerdings bestimmte Umsatzgrenzen, so ist die MwSt. des Bestimmungslandes anzusetzen. Das Bestimmungsland ist das Land, in dem die Ware physisch ankommt. Es ist unerheblich, in welchem Land der Käufer seine Rechnungsadresse hat. Dabei hat jedes Land eine eigene Lieferschwelle und auch die Wechselkursschwankungen sind bei der Überwachung dieser Werte zu beachten. Das besagt die sog. Versandhandelsregelung der EU.

Beispiel: Ein deutscher Online-Händler liefert für 35.000 Euro Wein an Konsumenten nach Frankreich. Er berechnet 19% deutsche MwSt. Am 16.Juni überschreitet er die Grenze von 35.000 EUR. So ist ab diesem Tag die französische MwSt. von 20% zu berechnen. Der Grenzwert wurde überschritten, die Ursprungslandprinzip wechselt zum Bestimmungslandprinzip.

Steuernummer im Ausland beantragen

Wer in Ländern der EU28 die jeweilige Lieferschwelle überschritten hat, der ist ab diesem Moment in dem jeweiligen Staat der EU steuerpflichtig. Und zwar ab dem ersten, die Lieferschwelle überschreitenden Euro. Das besagt die Versandhandelsregelung der EU. In Deutschland durch § 3c Abs. 1 UStG geregelt. Also, Steuernummer beantragen und Steuererklärung in jenen Ländern einreichen, in die man Ware versendet.

Unglaublich aber wahr: wer in 28 Ländern der EU gute Geschäfte macht, benötigt 28 Steuernummern und muss dort regelmäßig nicht nur Landessprache die MwSt. erklären, sondern vor allem auch abführen!

Inkasso-Lizenz notwendig

Wer einen Marktplatz betreibt und dabei auch Zahlungen namens und auftrags seiner Marktplatz-Merchants entgegennimmt und weiterleitet betreibt ein Finanztransaktionsgeschäft. Dazu ist eine Genehmigung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) notwendig. In der Regel genügt eine Inkassolizenz. Das besagt die Payment Service Directive der EU. In Deutschland wurde diese Rechtsnorm vor allem durch das sog. „Lieferheld-Urteil“ bekannt (LG Köln vom 29. November 2011 Az 81 O 91/11).

Banklizenz für Devisengeschäfte beantragen

Wer einen Marktplatz mit internationalen Merchants betreibt und dabei Waren in verschiedenen Währungen anbietet, steht nicht nur vor erheblichen Wechselkursrisiken, sondern ist auch gezwungen, eine Banklizenz zu beantragen.

Beispiel: Ein deutscher Marktplatzbetreiber für Schmuck vertritt einen Uhrenhändler aus New York. Bei diesem kauft ein polnischer Kunde eine Uhr. Der Marktplatz wird in Euro betrieben, der Kunde zahlt in Szloty. Nimmt der Marktplatz den Betrag nun in Euro entgegen und vergütet dem New Yorker Händler seine Ware in USD, so besteht einerseits das Risiko, dass sich zwischenzeitlich der Kurs deutlich verändert hat und zweitens wechselt der Marktplatzbetreiber von Euro in US-Dollar, um den Merchant zu vergüten. Dabei handelt es sich um ein Devisenwechselgeschäft, für welches es einer Genehmigung der zuständigen Finanzaufsicht bedarf. Es geht also nicht um die Akzeptanz von Devisen (bieten alle Acquiring-Banken an), sondern um die Vergütung in verschiedenen Währungen.

Vergleichen Sie Preise der Payment Service Provider

PSPs stellen die Verbindung zwischen einem Online Shop und den sog. Kreditkarten-Acquiring-Banken her. Die Kosten für die Integration und Verarbeitung von verschiedenen Zahlungsmethoden werden so gebündelt. Der eCommerce-Händler profitiert von Dienstleistungen wie Risk Management, Reporting, Fraud Protection und wird von den Sicherheitsanforderungen der Kartenindustrie entlastet. Zudem ermöglicht es dem Händler, mehrere Währungen anzubieten. Die Kosten der sog. PSP-Anbieter sind oftmals unübersichtlich und komplex. Es gibt Softwarekosten, Einmalzahlungen, Aufschaltgebühren, Klickfees, Umsatzgebühren usw. Vor allem aber ist es aufwändig, den PSP zu wechseln, wenn dieser einmal mit seinem Plug-In installiert ist. ClearVAT ist als Universal-PSP nicht an einen einzigen Acquirer oder an ein Zahlungsnetzwerk gebunden. Dies erlaubt den beliebigen, schnellen und unkomplizierten Wechsel zwischen PSP-Anbietern und Acquiring-Banken!

Play by the rules – Halten Sie Regeln und Gesetze ein

Klar, nun könnte man fragen, ob es der polnische Steuerbeamte überhaupt bemerkt, wenn man die Steuer im Bestimmungsland Polen als eCommerce Shop nicht abführt. Tatsächlich ist aber auch die Hinterziehung von Steuern, die einem anderen Staat zustehen, in Deutschland strafbar (§370 Abs. 6 der Abgabenordnung). Viel früher als mit den Steuerbehörden droht aber Ärger mit potenziellen Geldgebern und Investoren.